Ritter Manfred erzählt etwas von seiner Kindheit, Jugend und den Nachkriegsjahren. Teil 3
MGB's Ansprache beim goßen Chatter-Treffen 1997

Lehrjahre sind natürlich keine Herrenjahre, das war auch mir bekannt. Während ich als Stift in der Backstube den Ofen aushuddeln mußte, feierte im fernen Persien mal wieder der Pfauen - Thron- Besitzer eine prunkvolle  Hochzeit mit Farah Diba. - Aber noch mehr beneidete ich Fidel Castro: Er hatte es geschafft, was mir versagt blieb: Er übernahm Kuba. Ich brachte es noch nicht einmal dazu, die Tochter meines Lehrherrn zu "übernehmen". *BG* Während meiner Lehrzeit als Bäcker und Konditor, schluckte ich bittere Pillen - im Gegensatz zu den hübschen Mädchen: Unter dem Namen "ENOVID" kam nämlich in Amerika die erste Anti - Baby - Pille auf den Markt: Freiheit für die Liebe, verhaftet die Moral der Erz - Moralisten...

Vielleicht war es Zufall - ich weiß es nicht zu sagen, daß gerade in jenem Augenblick, als der sowjetische Ministerpräsident Chruschtschow vor den UN-Delegierten in New - York mit seinem Schuh aufs Pult hieb und laut aus schrie: "Njet!", ich auch meinem Lehrherrn ein kräftiges "Njet!" entgegenschleuderte, weil mir seine Sklavenarbeit zu viel geworden war. (Von morgens 02.00 Uhr bis nachmittags 16.00 Uhr war auch damals schon nicht erlaubt). *ausgenutzt vorgekommen sei*. Nun ja, ich hab's überlebt. Nicht aber der damals in aller Welt sehr beliebte amerikanische Präsident Kennedy . Kurz nach meiner Lehrzeit begab ich mich erst mal als sogenannter Globetrotter durch die Welt, denn wenn erst einmal die Macht der Liebe von mir Besitz ergreifen würde, hatte ich dazu keine Gelegenheit mehr.

Und so schlug ich mich als Smutje auf einem schwedischen Schiff bis nach Neuseeland durch, wo ich eine Brieffreundin hatte - und mir in Auckland der Kapitän mitteilte, daß die Reederei bankrott sei. Der Tragweite dieser Mitteilung war ich mir erst bewußt geworden, als ich mitsamt meinen wenigen Habseligkeiten von Bord gejagt wurde und nun versuchen mußte, mit einem anderen Schiff nach Hause zu kommen. Viel Glück hatte ich nicht, aber wenigstens durfte ich als Heizer mit einem deutschen Schiff bis nach Bombay (heute Mumbai) mitfahren um mich von dort nach Deutschland per Anhalter durchzuschlagen. - Ein Abenteuer, welches man sich in der heutigen Zeit nicht mehr erlauben dürfte. Naja, wenigstens kam alle drei Tage mal eine Rappellkiste angefahren. Aber wenn mal eine hielt, dann wurde man schon eine riesengroße Strecke mitgenommen. So gelangte ich über Pakistan, Afghanistan, Persien, die Türkei, Griechenland, Jugoslawien und Österreich wieder nach Deutschland, wo mir 1964 tatsächlich die Liebe und das Glück begegneten.

Der eine sucht es, der andere glaubt nicht dran, der eine hat es, der andere hat es nicht, aber alle sehnen sich, streben nach dem Glück. Und so erging es auch mir. Doch mußte ich mich, um es mit Sebastian Chamforts Worten zu sagen, gleich an zwei Dinge gewöhnen, um das Leben erträglicher zu finden: Erstens an schlechtes Wetter und zweitens an die Ungerechtigkeit der Menschen:

Wollte mir doch der Erzeuger meiner zukünftigen Frau und damaligen Braut, doch glatt sein Töchterchen verweigern...Nun ja, verdenken konnte ich es ihm einerseits nicht, denn ich sah eher aus wie Robinson Crusoe denn einem angenehmen Schwiegersohn. "Wenn du auch nur ein Jahr mit diesem "Haderlumpen" verheiratet bist", so seine damaligen Worte zu seiner "Prinzessin", "bekommst du von mir ein Schlafzimmer geschenkt!" (Nun, mittlerweile hätte ich schon den größten Möbelladen in Deutschland, gemessen an den uns inzwischen schon zustehenden Schlafzimmern, denn nach über 50 Ehejahren kommt da ganz schön was zusammen.

Also wie man sich doch irren kann...im wahrsten Sinne des Wortes! So nach und nach - ich hatte aufgrund meiner Abenteuerlust den Job eines Fernfahrers angenommen, (später war ich dann Reisebusfahrer der amerikanische und kanadische Touristen durch ganz Europa fuhr) trudelten in Abständen vier Kinderlein ein *seufz*, die mir fast die Haare vom Kopf gefressen hatten. Zum Glück hatte ich dann als Reisebusfahrer viel Geld durch die Touristen verdient, so dass es uns leichter fiel unsere Nachkommen besser groß zu ziehen. Vielmehr meine liebe Frau, denn ich war ja selten anwesend. (War immer fast sechs Wochen am Stück unterwegs). Trotzdem, das muss nochmals erwähnt werden, sind meine Frau und ich über 50 Jahre glücklich verheiratet - zwar mit einigen Zipperleins - aber dennoch glücklich.

Vor vielen vielen Jahren: MGB als Fernfahrer.

Im Jahre 1972 warf mich ein böser unverschuldeter Arbeitsunfall aus dem Berufsleben. Es hat Jahre gedauert, bis ich wieder zu dem wurde, was ich heute bin: ein lebensfroher, lustiger humorvoller Mensch. Seit meinem Unfall war ich es leid immer unrasiert und fern der Heimat durch die Lande zu fahren mit dem LKW und so wechselte ich über zum Reisebusfahrer. Von nun an ging's wieder bergauf. Ich war wieder in meinem Element, denn ich konnte beweisen, was ein Fahrer so alles drauf hatte - insbesondere meinen amerikanischen und kanadischen Freunden gegenüber die der Meinung waren, Europa sei so klein, wie San Marino, daß man es in drei Tagen sehen konnte. Ich möchte an dieser Stelle erst gar nicht erwähnen, wie ich meine Reisegruppen durch Europa gedonnert hatte. , aber sie attestierten mir tatsächlich und zu meiner eigenen Verwunderung in vielen Dankschreiben, daß ich ein exzellenter Driver war - wie immer sie es auch gemeint hatten?

Eine meiner vielen Reisegruppen.

Im Jahre 1995 - also fast schon an der Schwelle zum dritten Jahrtausend, bekam ich meinen ersten PC, den ich bis dato nur vom Namen her kannte. Ein schlaues Kerlchen dachte ich mir. Das weiß wenigstens alles! Daß es aber ein strohdummer Kasten ist, der überhaupt nichts weiß und der mir nur das ausspuckt, was ich ihm eingebe, merkte ich erst später...Und noch vieles mehr nämlich, daß solch ein Kasten - insbesondere bei einem Internetanschluß, auch Ehen vernichten und ein friedliches Miteinander welches man die ganzen Jahre hatte, völlig zerstören kann. Vor Allem in den berüchtigten Chatrooms und Dating-Webseiten. Seid also vorsichtig mit allzuschnellen Zusagen und Treffen, das gilt insbesondere für das weibliche Geschlecht, denn das ist in den meisten Fällen gefährdet durch leere Versprechungen und Ausnutzung durch die männlichen Spezies, die es meist nur auf das Geld abgesehen hat.