Jesus übergibt Petrus die Schlüssel des Himmelreichs.
Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüs-
sel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.

Simon Petrus (geb. in Galiläa, Datum unbekannt; gest. möglicherweise um 67 in Rom) war nach dem Neuen Testament (NT) einer der ersten Juden, die Jesus von Nazaret in seine Nachfolge berief. Er wird dort als Sprecher der Jünger bzw. Apostel, erster Be-
kenner, aber auch Verleugner Jesu Christi, erster männlicher Augenzeuge des Auf-
erstandenen und ein Leiter der Jerusalemer Urgemeinde dargestellt. Hinzu kommen Notizen von Kirchenvätern, wonach er erster Bischof von Antiochia sowie Gründer und Haupt der Gemeinde von Rom gewesen und dort als Märtyrer hingerichtet worden sein soll. Simons Historizität wird aufgrund übereinstimmender Angaben in den frühesten Textbestandteilen der Evangelien und archäologischer Funde angenommen. Das NT überliefert jedoch nur wenige als zuverlässig geltende biografische Details zu ihm. Spätere Notizen werden vielfach als legendarisch angesehen. In den altorientalischen, orthodoxen, alt- und römisch-katholischen sowie in den anglikanischen Kirchen wird Petrus als Heiliger und erster Bischof von Rom verehrt. Die römisch-katholische Kirche führt den Primatsanspruch des Papsttums über die Gesamtkirche auf die An-
nahme zurück, Christus habe Petrus und dieser den Bischöfen von Rom einen Vorrang als Leiter, Lehrer und Richter aller Christen gegeben.

Päpste waren durchaus nicht immer fromme oder gar heilige Männer. An ihren Höfen machten sich zuweilen Laster und Vetternwirtschaft breit. Was allerdings der Pontifex Stephan VI. veranstaltete, steht in der 2000-jährigen Geschichte des Christentums ohne Beispiel da - "die Leichensynode von Rom" genannt.

Als Vorwand der Anklage diente die kurzzeitige Versetzung Formosus’ vom geist-
lichen in den Laienstand, eine Maßnahme, die schon 883 vom damaligen Papst rückgängig gemacht worden war. Das Verdikt indes stand von vornherein fest.

Nach seiner Verurteilung wurden dem Leichnam die Kleider abgezogen. Dann ließ Stephan VI. dem Toten wegen seines angeblichen Eidbruchs die Schwurfinger der rechten Hand abhacken und ihn anschließend in den Fluss Tiber werfen. Das Ver-
fahren gegen Formosus löste unter Bevölkerung Roms Entsetzen aus. Als wenig spä-
ter eine Kuppel der Lateran-Basilika einstürzte, sah man das als Beweis für den Zorn Gottes.

Das Volk stürmte die Papstresidenz und warf Stephan in den Kerker, wo er im August 897 erdrosselt wurde. Auch Lambert von Spoleto überlebte die "Leichensynode" nicht lange. Er starb am 15. Oktober 898 im Alter von nur 23 Jahren bei einem Jagdunfall. Die Oberen der Kirche merkten schnell, wie sehr das Vorgehen gegen den Ex-Papst Formosus ihrem Ruf geschadet hatte. Noch 897 wurden deshalb sämtliche Beschlüsse der "Leichensynode" aufgehoben und Formosus, dessen Überreste man aus dem Tiber gefischt hatte, ehrenvoll in der alten Peterskirche beigesetzt. Im Jahre 898 rehabili- tierte Papst Johannes IX. seinen Vorgänger in offizieller Form.
Es gibt nur wenige Quellen zum Leben Sergius III. Wenn sie Recht haben, hat er seine beiden Vorgänger, Benedikt IV. und Leo V., umbringen lassen, um selbst Papst werden zu können. Nach seiner Wahl soll er dann die toskanische Prinzessin Marozia als Mätresse an seinen Hof geholt haben. Ihr gemeinsamer Sohn soll als Johannes XI. Papst geworden sein.

Nach Liutprand von Cremona ließ Sergius seine beiden Vorgänger umbringen und zeugte mit seiner Mätresse Marozia einen Sohn, den späteren Papst Johannes XI. Während einige Historiker diese Berichte als gegen die Häuser Spoleto und Tusculum gerichtete Propaganda abtun, halten andere sie für durchaus glaubwürdig. Vor allem die nicht zu leugnende Tatsache, dass Sergius die Beschlüsse der makabren Leichen- synode von 897 wieder in Kraft setzte und die Anhänger des Papstes Formosus ver- folgen ließ, wirft ein sehr ungünstiges Licht auf ihn. Mit dem Pontifikat des Sergius begann die Periode der später so genannten Pornokratie, der "Mätressenherrschaft".

In Sergius’ Amtszeit fällt auch der Wiederaufbau der 897 durch ein Erdbeben zer- störten Lateranbasilika. Mit der Orthodoxen Kirche geriet er in Konflikt, da er in den sogenannten "Tetragamiestreit" eingriff: Der Patriarch von Konstantinopel, Nikolaos I. Mystikos, hatte den byzantinischen Kaiser Leo VI. gebannt, weil dieser gegen das Kirchenrecht eine vierte Ehe eingegangen war. Sergius dagegen erteilte dem Kaiser dafür eine päpstliche Dispens. Diese Aktion übte zwar keinen relevanten Einfluss auf die Haltung der Ostkirche oder des byzantinischen Kaisers aus, trug aber zur Ver- schlechterung der Beziehungen zwischen der lateinischen und der griechischen Kirche bei. Der Patriarch beteiligte sich später an einer Intrige gegen Leo VI. und wurde deshalb für fünf Jahre in das Kloster Galakrenai bei Chalkedon verbannt.

Dieses Bild stellt nicht die Prinzessin Marozia dar.
Ab 914 beherrschte sie den Kirchenstaat, die Päpste Johannes X., Leo VI., Stephan VII. und Johannes XI. waren völlig von ihr abhängig. Die Zeit, in der Marozia (und auch ihre aus erster Ehe stammenden Töchter Marozia II. und Theodora II.) sowohl die weltliche als auch kirchliche Politik Roms dominierten, ist als das Zeitalter der Pornokratie (Mätressenherrschaft) in die Geschichte eingegangen. Um 932 wurde Marozia (vermutlich gemeinsam mit Johannes XI.) von ihrem Sohn Alberich II. gefangen genommen, der nun in Rom die Macht übernahm. Ihr Enkel Oktavian wurde als Johannes XII. ebenfalls Papst. Nach dem Jahre 932 wird sie nicht mehr erwähnt, ihr weiteres Schicksal ist nicht bekannt. Vermutlich starb sie in der Gefangenschaft.
Johannes XII. (* 937 oder 939 als Octavian von Spoleto in Rom; † 14. Mai 964 in der Campagna) war Papst vom 16. Dezember 955 bis zu seiner Absetzung am 4. Dezember 963. Der einzige Papst der Geschichte – vielleicht mit Ausnahme des Papstes Benedikt IX. –, der als Jugendlicher sein Amt antrat, krönte 962 mit Otto dem Großen erstmals einen deutschen König zum Kaiser.

Graf Alberich II. von Spoleto – ein Sohn der Marozia – ließ auf dem Sterbelager Papst Agapitus II. und den römischen Adel per Eid verpflichten, seinen Sohn Octavian nicht nur zum Fürsten von Rom und damit zu seinem Nachfolger als Fürsten zu machen, sondern auch nach dem Tod des Papstes ihn zu dessen Nachfolger zu wählen. Nach dem Tod Agapitus' wurde Octavian am 16. Dezember 955 im Alter von 16 Jahren (nach anderen Quellen mit 18) zum Papst als Johannes XII. gewählt. Dabei war dieser völlig ungebildet und beherrschte nur die Vulgärsprache. Er war der fünfte und letzte Papst, der auf Befehl von Alberich – hier noch über dessen Totenbett hinaus – gewählt wurde.

Johannes wurde als eine der erbärmlichsten Figuren, die je in der Geschichte Roms und der Kirche eine Rolle gespielt haben, Papst und Princeps Romanorum. Alle kirchlich nicht festgelegten Historiker müssen zugeben, dass der Lateran unter sei-
ner zynischen Tyrannis zu einem Bordell verkam. Der zeitgenössische Historiker Bischof Liutprand von Cremona berichtete u. a. von Mord, Verstümmelungen, Ehe-
bruch, Inzest, Simonie, Jagd- und Spielleidenschaft, Meineid und Gotteslästerungen durch Johannes XII. In seinem Laster kannte dieser keine Grenzen. Er verschenkte heilige Gefäße an Prostituierte. Einmal ließ er einen Diakon sogar in einem Pferde-
stall weihen.

Bild aus dem Fernsehfilm Theophanu
König Otto I. mit seiner Frau Adelheid
961 erschien König Otto mit seiner Frau Adelheid von Burgund in Italien und Beren-
gar und Adalbert mussten sich mit ihren Söldnern wieder zurückziehen. Am 2. Fe-
bruar 962 krönte Papst Johannes König Otto und seine Frau zu Kaiser und Kaiserin. Diese Krönung war die Geburtsstunde des Sacrum Imperium Romanum, das in Hin-
blick auf die Würdelosigkeit des Papstes moralisch in schärfstem Kontrast zum Papsttum jener Zeit stand. Im Privilegium Ottonianum bestätigte der Kaiser die Schen-
kungen Pippins III. und Karls der Großen ebenso wie die Constitutio Lothari aus der Zeit von Papst Eugen II. Damit garantierte Otto dem Papst den Erhalt des Kirchen-
staates. Doch zur Festigung der kaiserlichen Vormachtstellung legte er in einer Bestimmung im Privilegium fest, dass die Papstweihe nur nach einer ausdrücklich kanonischen Wahl und nach einem Lehenseid des Gewählten dem Kaiser gegenüber vollzogen werden dürfe. Die Erfahrungen seines Jahrhunderts ließen dem Kaiser keine andere Wahl.
Verhandlung zwischen König Otto I. und Papst Johannes XII.
Nachdem Papst Johannes Kaiser Otto den Treueeid geleistet hatte, verließ dieser mit seiner Frau Rom, um der Herrschaft von Berengar und Adalbert Schritt für Schritt ein Ende zu bereiten und damit die 85 Jahre dauernde Herrschaft verhängnisvoller Sepa-
ratkaiser und - Königen in Italien zu beenden. Nach etwa einem Jahr kapitulierten Be-
renegar und Willa in der Festung San Leo di Montefeltre, nahe der heutigen Republik San Marino gelegen, und wurden ins Exil nach Bamberg verbracht. Sein Sohn Adalbert floh aus der Festung nach Korsika.

GESCHICHTLICHES:Berengar II. von Ivrea und sein Sohn Adalbert glaubten nun, die Lage in Rom ausnutzen zu können, und drangen mit ihren Truppen in Richtung Rom vor, um es zu besetzen. Der Papst rief deshalb – möglicherweise durch Kreise der Cluniazensische Reform gezwungen – König Otto I. um Hilfe.

Nach der Abreise des Kaisers brach Papst Johannes seinen Treueeid und verband sich mit dem geflohenen Adalbert. Dieser konspirierte nicht nur mit den byzantinischen Machthabern in Süditalien, sondern auch mit den Sarazenen, die von ihrer Festung bei La Garde-Freinet aus die Provence verwüsteten. Daraufhin erschien Kaiser Otto wieder in Rom, so dass Papst Johannes und Adalbert fliehen mussten. Mit sich nahmen beide den vorher geplünderten Kirchenschatz.

In Rom hielt nun der Kaiser seine weltberühmte Synode ab, bei der Liutprand von Cremona der Sprecher war. Die Vorladung an Johannes war zwar in vornehmer Form geschrieben, doch die Anklage verschweigt keinen der allgemein bekannten Punkte, obwohl "für deren Aufzählung ein Tag zu kurz" sei. "Wisset denn, nicht wenige, sondern alle, sowohl Weltliche als auch Geistliche, haben Euch angeklagt des Mordes, des Meineids, der Tempelschändung, der Blutschande mit Eurer eigener Verwandten und mit zwei Schwestern. Sie erklären noch anderes, wovor das Ohr sich sträubt, dass Ihr dem Teufel zugetrunken und beim Würfeln Zeus, Venus und andere Dämonen angerufen habt." Der noch auf der Flucht befindliche Papst antwortete aus seinem Versteck nicht dem Kaiser, sondern dem Synodalepiskopat – in einem pöbelhaften Ton. Daraufhin setzte die Synode den Papst ab. Damit wurde die von Papst Symmachus konstruierte These aus dem 5. Jahrhundert "prima sedes a nemine judicatur" zum ersten Mal, angesichts eines total unwürdigen Papstes, außer Kraft gesetzt. Danach wurde Leo VIII. von der Synode zum Papst gewählt, obwohl diese äußerst würdige Ausnahmeerscheinung in der Kirche Roms seiner Zeit noch Laie war. Vor seiner Wahl erhielt Leo alle notwendigen Weihen. Es war fraglos kein kanonisches Ver-
fahren, "aber die Welt erträgt die Verstöße gegen kanonische Formen rechtlicher als gegen die Würde der Menschheit" (Ferdinand Gregorovius). Außerdem bestand die Frage, wie eigentlich Johannes XII. zu seinen Weihen gekommen war.

Kaum hatte der Kaiser Rom verlassen, kehrte der geflohene Papst auf einer Propa-
gandawoge seiner zahlreichen Mätressen und einflussreicher Frauen im Januar 963 zurück und nahm Rache. Sein Nachfolger Papst Leo, der zuvor um des lieben Friedens Willen alle Geiseln freigelassen hatte, musste nun seinerseits im Februar 964 fliehen. Bevor Kaiser Otto zum dritten Mal in Rom einzog, starb der für abgesetzt erklärte Papst.

Nach verschiedenen Überlieferungen erlitt Johannes einen gewaltsamen Tod, wobei über die Art des Todes je nach Überlieferung unterschiedliche Versionen bestehen. Nach der wohl bekanntesten soll er während des Geschlechtsaktes mit einer römi-
schen Aristokratin von deren eifersüchtigem Ehemann überrascht und mit einem Hammer erschlagen oder so schwer verletzt worden sein, dass er daran starb. Einer anderen Version zufolge traf ihn ein Gehirnschlag, als er in der Nähe von Rom einer verheirateten Frau nachstellte. Seine Anhänger wählten nach Johannes’ Tod Benedikt V. zum Papst.

Benedikt IX. herrschte mit Gewalt und Mord. Das Volk hat ihn mehrfach aus Rom vertrieben. Er kehrte immer wieder zurück und überlebte mehrere Mordversuche. 1045 verkaufte er seine Papstwürde an einen Neffen, weil er heiraten wollte. Als die Heiratspläne scheiterten, blieb er bis zu seiner endgültigen Vertreibung 1048 im Amt.

Die vorherrschende Macht im Rom des 10. und 11. Jh. war das Geschlecht der Tusku-
laner. Seit 932 hatten sie insgesamt sechs Päpste gestellt. Als Johannes XIX., eben-
falls Tuskulaner, im Oktober des Jahres 1032 starb, blieb der Stuhl Petri nicht lange unbesetzt. Johannes Bruder, Alberich III., der nun neues Familienoberhaupt war, betrachtete es als seine ihm eigene Aufgabe, für einen würdigen Nachfolger zu sorgen. Durch Bestechung der Wählerschaft und des römischen Adels schaffte er es, seinen jungen Sohn Theophylakt von Tuskulum (allenfalls 14 Jahre) zu Papst Benedikt IX. zu machen. Bereits zwei Tage nach dem Tod des alten Pontifex wurde er offiziell gewählt und gekrönt. Benedikt IX. war der Neffe seiner beiden Vorgänger Benedikt VIII. und Johannes XIX. und hätte sich kaum gegen den Beschluss seines patriarchalischen Vaters zur Wehr setzen können. Der damalige römisch-deutsche Kaiser Konrad II. erkannte die Erhebung Theophylakts zum Papst an.

Einen Jugendlichen zum Papst zu wählen würde einem heutigen Konklave wohl nicht mehr in den Sinn kommen. Zu jung, zu unerfahren, zu leicht zu beeinflussen, wären wohl die nicht ganz aus der Luft gegriffene Vorwürfe. Auch die Erhebung von 1032 stand unter diesen Vorzeichen, da Benedikt IX. aufgrund seines Alters erheblich unter dem Einfluss seines Vaters zu stehen schien. Bereits die Wahl seines Namens deutete an, dass an die durch seinen Onkel und Vorvorgänger Benedikts VIII. geschaffene Familientradition anknüpft werden soll.

Es ist schwer Benedikt zu charakterisieren, da die Quellen, welche sich zu seinem Charakter äußern, politisch stark eingefärbt sind und daher nicht als brauchbare Zeugnisse zur Beschreibung der Person des Oberhirten taugen. Daher wird an dieser Stelle auf eine Darlegung dieser Schilderungen verzichtet und statt dessen der Versuch unternommen, den Charakter Benedikts an seinen Taten festzumachen.

Dennoch bewies er viel Sachverstand und eine geschickte diplomatische Hand. So vermittelte er 1036 auf einer Synode (der ersten, von der wir wissen, dass er anwesend war) zwischen dem Bischof Andreas von Perugia und dem dort ansässigen Petrus-
kloster. Zwischen diesen war es zum Rechtsstreit gekommen und Benedikts Inter-
vention legte diesen zu beidseitigem Einvernehmen bei. Der Bischof versprach dem Pontifex und seinem Bruder sogar, nie wieder Ansprüche gegenüber dem Kloster zu erheben.

Auch außenpolitisch konnte Benedikt einige Erfolge verzeichnen. Sein Handeln war erstaunlich unabhängig von den Interessen des deutschen Königs, in dessen Einfluss-
sphäre eigentlich auch der Streit zwischen Aquileja und Grado fiel. Benedikt beendete diesen Streit aber auf der Synode von 1044 in Rom, ohne mit dem König kommuniziert zu haben. Deutlicher konnte Benedikt nicht zeigen, dass er sich nicht als Handlager eines römisch-deutschen Kaisers sah. Dennoch baute er den Weg der Kooperation mit den Königen jenseits der Alpen stärker aus als sein Vorgänger Johannes XIX. Mög-
licherweise war es diese Zuwendung nach Norden, die einigen in Rom übel aufstieß und schließlich zum Putsch gegen Benedikt führen sollte.

Das Schisma von 1046
Wie kam es nun zum Schisma und zu der konfusen Situation, dass es 1046 - je nach Zählweise - gleich drei Päpste in und um Rom gab? 1044 erhoben sich die Römer gegen Benedikt IX., um ihn abzusetzen. Ein einziges Motiv ist nicht zu benennen. Dies liegt mitunter an der Tatsache, dass die uns überlieferten Quellen teilweise höchst widersprüchlich argumentieren. Der aufkeimende Investiturstreit, der unter Hein-
richs Nachfolger einen Höhepunkt erfahren sollte, trug seinen Teil dazu bei, dass Chronisten den für ihre Angelegenheiten passenden Verlauf der Dinge nieder-
schrieben. Bonizo von Sutri (ca. 1045-1094) berichtet beispielsweise, dass Benedikt versuchte, sein Amt loszuwerden, da er Heiratsabsichten gehabt habe und deshalb bereits päpstliche Aufgabe an ihm ergeben Kleriker abwälzte. Erst als er seine an-
visierte Braut nicht bekommen sollte, habe er seinen Entschluss, auf das höchste Amt der Kirche zu verzichten, wieder zurückgenommen. Ferner habe er das vakante Kaisertum Petrus von Ungarn angeboten. Desiderius von Montecassino (1027-1087), der spätere Papst Viktor III., bezeichnete Benedikt hingegen als einen Lüstling und Mörder und legte ihm verschiedene Vergehen zur Last. Darunter waren Simonie, Mord, ein ausschweifendes Leben und viele weitere Delikte. Wie gehaltvoll all diese Gerüchte waren, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Es scheint Fakt zu sein, dass Benedikt durch Simonie ins Amt kam, was zur damaligen Zeit zwar umstritten, aber dennoch üblich war.

Ergebnis dieser Auseinandersetzungen war die Vertreibung Benedikts im September 1044 aus Rom. Nach dem Wunsch der Stephanier, einer Nebenlinie der Crescentier, sollte Bischof Johannes von Sabina der Nachfolger Benedikts werden. Auch hier flossen wieder Gelder, um das Votum des römischen Volkes für den Wunschkandi-
daten zu erreichen. Benedikt hatte zwar noch so viele Anhänger, dass die Wahl auf der Kippe stand, aber ein Erdbeben, interpretiert als ein Zeichen Gottes, spielte seinen Gegnern in die Hände. Im Januar 1045 kam es zur Wahl des neuen Oberhirten Jo-
hannes, der sich ab nun Silvester III. nannte. Ab hier kann man von einem Schisma sprechen, da Benedikt nicht ordnungsgemäß abgewählt, sondern einfach nur vertrie-
ben wurde. Ob Silvester ein legitimer Papst war oder "nur" ein Gegenpapst, hängt von der Quelle ab, die man zu Rate zieht. Die neuere Forschung ist dazu übergegangen, ihn als "Invasor" zu bezeichnen und damit in die Kategorie Gegenpapst einzusortieren. Begründet wird dies durch die unrechtmäßige Methode, durch welche Silvester zu seinem Amt gekommen war.

Ob das Schisma von 1046 nun exakt so entstand, lässt sich leider nicht sagen. Die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo zwischen den Varianten, die es zum Verlauf der Ereignisse gibt. Für die weitere Entwicklung ist von Bedeutung, dass es zwar im Jahr 1046 drei Männer in und um Rom gab, die aus jeweils nachvollziehbaren Gründen von sich hätten behaupten können, Papst zu sein, die Situation aus römischer Sicht aber zur Zufriedenheit aller geklärt war, so dass Gregor nun ein unbestrittenes Pontifikat beginnen konnte.

Bonifatius VIII., der scheinheilige Papst
Bonifatius VIII. war ein intelligenter Machtpolitiker. Er kämpfte für die Vormacht-
stellung des Papstes gegenüber den Fürsten und führte die Inquisition ein. Er ging grausam gegen Ketzer und Andersgläubige vor, besonders gegen Juden. Dabei war Bonifatius VIII. selbst kein gläubiger Katholik. Er glaubte weder ans Paradies noch
an die Auferstehung.
Bonifatius glaubte weder ans Paradies noch an die Auferstehung.
Obwohl er anfangs von den in Süditalien regierenden Franzosen aus dem Haus Anjou abhängig war, entwickelte sich Caetani bald zu einem der mächtigsten Päpste. Er war ein versierter Jurist – wie seine Zusammenstellung des Liber Sextus des Codex Iuris Canonici (1298) zeigt. Er gründete in Rom die Universität La Sapienza. Wissenschaft ohne Grenzen schätzte er allerdings nicht: so verbot er beispielsweise 1299 das Zer-
stückeln oder Kochen von Leichen, wodurch die wissenschaftliche Sektion und die Erforschung der Anatomie in Verruf gerieten.
Die Engelsbrücke in Rom
Die Pilger hatten den Linksverkehr einzuhalten.
Bonifatius rief erstmals in der katholischen Kirche für das Jahr 1300 ein Heiliges Jahr (Jubeljahr, Ablassjahr) aus und institutionalisierte es durch die Bulle Antiquo-
rum habet fida relatio vom 22. Februar 1300 für alle 100 Jahre. Allen Pilgern, die in diesem Jahr nach Rom kamen, versprach er einen Ablass. Es wurde damit auch ein Ablassjahr zur Nachfinanzierung der Kreuzzüge geschaffen. Zwei Millionen Men-
schen kamen nach Rom, so dass sich der Papst gezwungen sah, eine Regelung für die Nutzung der Engelsbrücke vorzugeben: Die Pilger hatten sozusagen Linksverkehr einzuhalten. Anmerkung: Napoleon I. schaffte diesen Jahrhunderte später wieder ab und führte den Rechtsverkehr ein. Dies sollte seine Feinde irritieren die alle noch links liefen. Da er aber nie nach England kam, behielten diese ihren Linksverkehr bei.

Bonifatius war wegen seines Hochmuts berüchtigt. In die Tiara führte er den zweiten Kronreif ein. Einen ebenso hochmütigen wie skrupellosen Gegner fand er im franzö-
sischen König Philipp dem Schönen. Mit Bonifatius wurde die Papokratie des Hoch-
mittelalters eines Innozenz III. beendet. Bonifatius starb am 11. Oktober 1303 (immer noch schockiert über das Attentat von Anagni) und wurde in seiner pompösen Kapelle in Alt-St. Peter beigesetzt. Sein Nachfolger wurde 1304 Papst Benedikt XI. und diesem nachfolgend 1305 Clemens V., vorher Erzbischof von Bordeaux und dem König erge-
ben. Er siedelte 1309 nach Avignon über, womit die Periode päpstlicher Hegemonie im Mittelalter zu Ende ging.

Das Papst-Palais im französischen Avignon
Papst Benedikt XI. und diesem nachfolgend 1305 Clemens V., siedelten beide nach Avignon über.
Cibo soll bei seiner eigenen Papstwahl durch Bestechung nachgeholfen haben. Als Papst verstärkte er die Bemühungen der Inquisition und rief zur Verfolgung von Hexen auf. Dieser Aufruf führte zu einer Flut grausamer Hexenprozesse. Dabei liebte Innozenz VIII. die Frauen: Dem Vater Roms werden bis zu sechzehn Nachkommen zugeschrieben.
Er liebte die Frauen und liess sie gleichzeitig umbringen
Innozenz' Aufruf führte zu einer Flut grausamer Hexenprozesse.
Der französische König Karl VIII. heiratet Anne de Bretagne
Heirat von Karl VIII. mit Anne de Bretagne
Cibo war 1467 Bischof von Savona und 1472 Bischof von Molfetta. Er wurde am 7. Mai 1473 von Papst Sixtus IV. zum Kardinal mit der Titelkirche Santa Cecilia in Trastevere erhoben. Der Mann, der als Innozenz VIII. in die Kirchengeschichte einging, sicherte sich seine Wahl durch die Bestechung der Kardinäle in der Nacht vor der Entscheidung. Seine Wahl am 29. August 1484 war weitgehend von Simonie bestimmt. Die päpstliche Politik bestimmte wesentlich Giuliano della Rovere mit, ein Neffe seines Vorgängers Sixtus IV. Della Rovere wurde später selbst Papst und nannte sich Julius II.

Bekannt wurde Cibo durch eine wenig ruhmreiche Grundhaltung, vor allem durch die Förderung von Inquisition und Hexenverfolgung mit der Bulle Summis desiderantes aus dem Jahr 1484. Sie bewirkte, vor allem in Deutschland, eine starke Zunahme von Hexenprozessen. Damit erreichte dieses dunkle Kapitel der Kirchengeschichte seinen Höhepunkt, noch verstärkt durch den 1487 von Heinrich Institoris unter angeblicher Mitwirkung von Jakob Sprenger veröffentlichten Hexenhammer. Innozenz war ein schwacher und unselbstständiger Papst, was nicht nur auf seine angeschlagene Ge-
sundheit zurückgeführt wurde. Aufgrund anhaltender finanzieller Probleme war er teilweise sogar gezwungen, Mitra und Tiara sowie Teile des päpstlichen Kronschatzes zu verpfänden.

Innozenz unterhielt auch gute Beziehungen zur Hohen Pforte, die jedoch hauptsächlich auf eine Verbesserung der Finanzlage hinzielten. In Gegenleistung für jährliche Tri-
butzahlungen und Geschenke, darunter auch eine heilige Lanze, wurde für Sultan Bayezid II. dessen Bruder Cem gefangen gehalten. Die Tatsache, dass sein Sterbedatum von Girolamo Savonarola korrekt vorhergesagt wurde, führte dazu, dass dieser charis-
matische Bußprediger, der die Missstände des Kirchenstaates heftig geißelte, einen noch größeren Zulauf erhielt.

Politisch war Innozenz’ Amtszeit auch durch den Streit mit König Ferrante von Neapel geprägt, der ihm den Lehnszins verweigert hatte, militärisch aber übermächtig war. Zudem kam der französische König Karl VIII. nicht wie vereinbart dem Papst zu Hilfe. So musste Innozenz im August 1486 mit Ferrante Frieden schließen, den dieser aber wieder brach. Erst durch die Doppelhochzeit seines 35-jährigen Sohnes Franceschetto Cibo (den er im Alter von 16 Jahren mit einem einfachen Mädchen gezeugt hatte) mit einer Medici, der 14-jährigen Maddalena, Tochter von Lorenzo I. de’ Medici (1449-1492) und seiner Enkelin mit einem Onkel Ferrantes konnte der neuerlich ausge-
brochene Krieg 1492 schließlich beigelegt werden.

Der französische König Karl VIII erobert Florenz und später auch das Königreich Neapel
König Karl VIII. kam nicht wie vereinbart dem Papst zu Hilfe.
Stattdessen eroberte er Florenz und später auch noch Neapel.
Laut dem Diarium urbis Romae des antipäpstlichen Chronisten Stefano Infessura soll Innozenz kurz vor seinem Tod, nachdem er in ein Koma gefallen war, von seinem jü-
dischen Leibarzt das Blut von drei zehnjährigen Knaben erhalten haben, um deren Jugend zu erlangen. Die Kinder sollen an den Folgen des Aderlasses gestorben sein. Der Wahrheitsgehalt dieser schauerlichen Geschichte ist nicht gesichert.

Innozenz hinterließ viele Kinder (Octo nocens pueros genuit, totidemque puellas; hunc merito poterit dicere Roma patrem – "Acht Buben zeugte er unnütz, genauso viele Mädchen; ihn wird Rom mit Recht Vater nennen können") und sein Nepotismus zu ihren Gunsten war so verschwenderisch wie schamlos. Seine Nachfahren wurden die Herzöge von Massa und Carrara.

Der Lustmolch der mit seiner (Stief) Tochter Lucrezia schlief .
Alexander VI. entstammte einer mächtigen spanischen Adelsfamilie. Seine kirchliche Karriere verdankte er seinem Onkel: Papst Kalixt III. Alexander VI. setzte seine Stel-
lung als Papst vor allem dazu ein, die Position seiner Familie zu stärken. Dazu gehörten auch seine mindestens sieben Kinder. Kritiker unterstellten ihm regelmäßige Sexor-
gien.
Bei diesem Papst muss man etwas weiter ausholen.
Sein Onkel Alfons Borgia, der als Papst Kalixt III. von 1455 bis 1458 regierte, ermög-
lichte ihm den Aufstieg in der kirchlichen Hierarchie. Roderic Borgia studierte zu-
nächst – ab etwa 1453 – in Bologna kanonisches Recht, nachdem er von seinem Onkel bereits mit zahlreichen lukrativen Pfründen ausgestattet worden war (unter anderem als Kanonikus in Xàtiva). Er war zwar kein Priester – das wurde er, wie damals nicht unüblich, erst Jahre später – dennoch ernannte ihn sein päpstlicher Onkel am 20. Fe-
bruar 1456 zum Kardinaldiakon von San Nicola in Carcere und bereits im darauf-
folgenden Jahr zum Vizekanzler der Kirche. Dieses auf Lebenszeit verliehene Amt und seine zahlreichen Pfründe – Roderic stand etwa 30 Bistümern als Titularbischof vor – machten ihn zu einem der reichsten Männer Europas. Ab 1458 war er in commendam Kardinaldiakon von Santa Maria in Via Lata. 1471 wurde er Kardinalbischof von Albano und 1476 von Porto.

Dem weiblichen Geschlecht war er trotz seiner Kirchenwürden sehr zugetan und verbarg dies – typisch für die Renaissance – kaum vor der Öffentlichkeit. Dass der freizügige Lebenswandel, bei vielen der zeitgenössischen Prälaten üblich, durchaus auch in der Kurie auf Widerspruch stieß, ist durch ein Schreiben Papst Pius’ II. dokumentiert, in dem er den jungen Prälaten wegen seines Sexuallebens rügte. Mit Vanozza de’ Cattanei, der Mutter seiner Kinder Joan (später Herzog von Gandía), Cesare (später Herzog der Romagna), Lucrezia (später Herzogin von Ferrara) und Jofré, lebte er in seiner Zeit als Kardinal etwa 20 Jahre lang zusammen. Es sind legendäre Schilderungen über Orgien an seinem Hof überliefert, die allerdings auch der Phantasie seiner Widersacher entsprungen sein können.

Vannozza Cattanei
Vannozza Cattanei war die langjährige Mätresse des Kardinals Rodrigo Borgia (1431-1503), des späteren Papstes Alexander VI., und die Mutter seiner vier berühmtesten unehelichen Kinder.
Am 11. August 1492 wurde er zum Papst Alexander VI. gewählt, was zeittypisch von Simonie (Ämterkauf) gefördert worden ist. Der Papstname spielte offen auf Alexander den Großen an, d.h. dokumentiert einen Machtanspruch. Da der zum Papst Gewählte mit seiner Krönung seine Pfründe abgeben musste, boten sich für reiche Kardinäle wie Roderic eine Vielzahl von gut dotierten Kirchengütern, die sich bei einer Wahl als Handelsgut einsetzen ließen.

Im Konklave standen sich mit dem Neffen von Papst Sixtus IV., Giuliano della Rovere, und Ascanio Sforza zwei mächtige Kardinäle gegenüber. Della Rovere, der nach dem Tod des Borgia tatsächlich als Julius II. Papst werden sollte, hatte eine mächtige Gruppe von Verbündeten um sich gesammelt: Neben Florenz und Neapel unterstützte mit Vene- dig eine dritte italienische Großmacht seine Kandidatur, ebenso Genua und der franzö- sische König Karl VIII. Doch die Stimmenverteilung im Konklave entsprach nicht den Machtverhältnissen der Unterstützer. Die Gruppe der Della-Rovere-Gegner führte Ascanio Sforza, der Bruder des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza an, der eigentlich selbst Papst werden wollte, doch mit siebenunddreißig Jahren zu jung und als Bruder des Mailänders als zu stark politisch vorbelastet galt.

Schon frühzeitig hatten Roderic Borgia und Ascanio Sforza eine gemeinsame Vor- gehensweise abgesprochen. Wie der Humanist Giovanni Lorenzi schon vor dem Konklave festhielt: "Der Vizekanzler (Roderic Borgia, Anm.) und Ascanio haben den Weltkreis untereinander aufgeteilt, und zwar wie folgt: Der Vizekanzler soll Papst werden, Ascanio aber Über-Papst." Zusätzlich hatte Ascanio von seinem Bruder Ludo- vico eine Blankovollmacht zum Stimmenkauf erhalten, da sie hofften, dass Borgia eine willige Marionette an den Fäden Sforzas sein werde. Ascanio und Roderic setzten sich durch, naturgemäß standen aber die ersten Jahre des Pontifikats unter dem massiven Einfluss der Sforza. Von ihm konnte sich Alexander VI. erst nach den Auseinander- setzungen um die neapolitanische Krone, die den Niedergang der Sforza zur Folge hat- ten, lösen.

Alexanders Stieftochter Lucrezia
Alexander VI. verführt seine Stieftochter Lucrezia Borgia. Bewiesen ist das nicht.
Allerdings: An jedem Gerücht ist etwas Wahres dran. Bei diesem Papst schon.
Übelgenommen wurde ihm später sein Nepotismus: Seinen Sohn Cesare ernannte er gegen dessen Willen zum Bischof von Valencia und später zum Kardinal; auch andere, von ihm ins Land geholte Spanier wurden begünstigt. Es kursierte das nie bewiesene Gerücht, dass er mit seiner Tochter Lucrezia geschlafen und lästige Rivalen mit dem berüchtigten "Borgia-Gift" aus dem Weg geräumt habe. Seinen Sohn Johann (Joan) ernannte er zum Herzog des von Neapel für den Kirchenstaat zurückerworbenen Benevent.
 Mätresse Giulia Farnese
Giulia Farnese, genannt la Bella. Bekannt wurde sie als eine der Mätressen des Borgia-Papstes Alexander VI.
Später nutzte die Familie Farnese den Einfluss der langjährigen Mätresse Giulia Farnese auf den Papst, um insbesondere deren Bruder Alessandro Farnese in der kirchlichen Hierarchie aufsteigen zu lassen. Im Alter von 25 Jahren wurde dieser tatsächlich zum Kardinal ernannt. Der beim römischen Volk mit den Ausdrücken "Cardinale Gonella" ("Röckchen") und "Cardinal Fregnese" ("Möse") verhöhnte junge Mann sollte mehr als 30 Jahre später als Paul III. zum mächtigen Papst der Gegenreformation werden. Diesen Aufstieg verdankte Alessandro Farnese vor allem seiner Schwester Giulia, die schon mit 15 Jahren zur Geliebten Roderic Borgias wur-
de, als er noch Kardinal war. Wie der Schreiber der Kurie süffisant anmerkte, nannte der römische Volksmund die römische Schönheit, die sich auch während Alexanders Pontifikat an seiner Seite zeigte, blasphemisch "sponsa christi" – die "Braut Christi".

Die Vielzahl der dem neuen Papst nachgesagten Exzesse rief Kritiker auf den Plan.
Ihr prominentester Vertreter wurde schließlich der Dominikanermönch Girolamo Savonarola in Florenz, der sich anfangs noch um ein gutes Einvernehmen mit Alexander bemühte und keine Bedenken hatte, ihm offiziell zur Hochzeit seiner Tochter Lucrezia zu gratulieren. Er forderte jedoch später sowohl die Absetzung des Papstes wie auch kirchliche Reformen und predigte: "Ihr Kirchenführer, ... nachts geht ihr zu euren Konkubinen und morgens zu euren Sakramenten." Bei einer späteren Gelegenheit meinte er: "Diese Kirchenführer haben das Gesicht einer Hure, ihr Ruhm schadet der Kirche sehr. Ich sage euch, diese halten nichts vom christlichen Glauben." Um Savo-
narolas Schweigen zu erkaufen, bot ihm Alexander VI. die Kardinalswürde an. Savo-
narola lehnte ab, woraufhin er exkommuniziert und in der von ihm abgefallenen Stadt Florenz verhaftet, erhängt und verbrannt wurde.

Giuliano della Rovere war nach seiner Niederlage im Konklave nach Frankreich geflüchtet und versuchte zusammen mit anderen Kritikern des Pontifikats den französischen König Karl VIII. dazu zu bewegen, ein Konzil einzuberufen, das die Absetzung Alexanders beschließen sollte. Karl marschierte schließlich an der Spitze einer Armee 1495 nach Italien, um sich Neapel einzuverleiben, einigte sich aber dann mit dem Papst und sah von dessen Absetzung gänzlich ab.

Die zahlreichen Winkelzüge Alexanders, der je nach Bedarf die Verbündeten wech-
selte, dienten in erster Linie dem Ziel, seinen Kindern ein erbliches Reich zu ver-
schaffen. Wie schon sein Onkel Kalixt III. hatte er zunächst das Königreich Neapel
dazu ausersehen. Als sich die Situation durch die Intervention Karls vorübergehend änderte und der kinderlose Ferrandino Ferdinand II. 1496 starb und seinen Onkel als Erben bestimmte, rückte zeitweise auch die Romagna in das Visier der Borgia. Als 1498 Karl VIII. mit erst 28 Jahren starb (er war im Schloss Amboise gegen einen Türbalken gelaufen und hatte offensichtlich infolge der Kopfverletzungen einen Schlag-
anfall erlitten), wurde Ludwig XII. aus dem Haus Valois-Orléans König von Frankreich. Dieser erhob, gestützt durch seine Verwandtschaft mit den Visconti, auch Anspruch auf das Herzogtum Mailand.

Ludwig und Anne de Bretagne
Ludwig annullierte seine Ehe, um die Witwe seines Vorgängers (Anne de Bretagne) zu heiraten.
Ludwig, der kinderlos verheiratet war, betrieb nach der Thronbesteigung sofort die An-
nullierung seiner Ehe mit Jeanne de Valois, um die Witwe seines Vorgängers (Anne de Bretagne) zu heiraten und so deren Erbe, die Bretagne, weiterhin im französischen Königreich zu halten. Dazu benötigte er die Dispens des Papstes, und Alexander sah die Chance gekommen, für seinen Sohn Cesare ein Herzogtum zu erhalten. Am 17. Sep-
tember 1498 verzichtete Cesare auf das Kardinalat, ein unerhörter Skandal, den Ale-
xander herunterzuspielen versuchte. Für die Dispens des französischen Königs erhielt Cesare das Valentinois (eine alte französische Landschaft mit der Hauptstadt Valence) verliehen, die zum Herzogtum erhoben wurde.

1498 versuchten die Sforza neuerlich – diesmal mit Deckung der Könige von Spanien – ein Konzil einzuberufen, das den Papst absetzen sollte. Doch die Franzosen brachten ein Bündnis mit Venedig zustande, das die Sforza, deren Stern im Sinken begriffen war, weiter unter Druck setzte. Cesare wurde in der Zwischenzeit mit Charlotte d’Albret verheiratet. Ihre Zustimmung zu der Ehe (vier hochadelige Französinnen hatten vorher entrüstet abgelehnt) wurde ihr mit dem Kardinalshut für ihren Bruder versüßt. Die Sforza hatten sich in der Zwischenzeit mit Sultan Bayezid II. verbündet, doch dessen Expeditionskorps, mit dem er Venedig angreifen sollte, war zahlenmäßig stark unterle-
gen. Nach dem Sturz der Sforza, die nach Österreich (Bianca Maria Sforza war mit dem deutschen König und späteren Kaiser Maximilian I. verheiratet) ins Exil gingen, wollte sich Ludwig XII. nach Neapel wenden, um dort eine alte Rechnung mit den Aragonesen zu begleichen. Alexander VI., der noch immer hoffte, Neapel für seine eigene Familie in die Hand zu bekommen, versuchte daraufhin vergeblich von Venedig die Zustimmung zur Eroberung des Herzogtums Ferrara für seinen Sohn zu erhalten.

Daraufhin begann Alexander die Barone des Kirchenstaates unter Druck zu setzen. Erstes Opfer wurden die Caetani: Sie verloren ihre Besitzungen an die Borgia. Und noch im März 1499 – also bevor der französisch-venezianische Bund geschlossen war – erklärte er das Vikariat der Sforza-Riario in Forlì und Imola für erloschen und über-
trug es Cesare. Dieser rückte mit französischen und italienischen Truppen vor, um sein neues Herrschaftsgebiet in Besitz zu nehmen. Imola ergab sich kampflos und Forlì konnte eingenommen werden. Dabei geriet die Vikarin von Forlì, Caterina Sforza, von der Zeitgenossen behaupten, sie sei der einzige wirkliche Mann in ihrer Armee gewe-
sen, in Gefangenschaft.

Ende April 1500 kündete ein in Rom verbreitetes Flugblatt nicht nur vom ellenlangen Sündenregister des Pontifex Maximus, sondern dem Unbußfertigen auch den baldigen Tod an. Am Peter-und-Pauls-Tag, dem 29. Juni, tobte ein schwerer Sturm über Rom, der nicht nur die Decke des Palastes zum Einsturz brachte, sondern auch den Baldachin, unter dem der Papst thronte. Doch der Stützbalken hielt stand, und Alexander kam mit ein paar Abschürfungen davon. Natürlich beschäftigten sich die römischen Gerüchte eifrig mit dem Ereignis, und die Pilger, die Rom reichlich bevölkerten (es war ein "Heiliges Jahr") rätselten, was die Vorsehung noch bereit halten sollte. Besonders populär war die Version, der teufelbündnerische Papst sei mit seinem höllischen Ver-
tragspartner etwas zu hart aneinandergeraten.

Um es kurz zusammenzufassen: Alexander starb schließlich in den Abendstunden des 18. August. Wie in Rom verbreitet wurde, sei der Körper des Toten binnen kürzester Zeit unnatürlich aufgequollen, habe sich schwarz verfärbt und übelriechende Flüssigkeiten abgesondert. Natürlich sahen die Zeitgenossen darin die Bestätigung dafür, dass der Papst vergiftet und seine Seele vom Teufel geholt worden sei. Tatsächlich aber hatten nur wenige Menschen den Leichnam mit eigenen Augen gesehen, und die vom päpstlichen Zeremonienmeister Johannes Burckard in seinen Aufzeichnungen bestätigte rasche Zersetzung des Körpers musste im heißen römischen Sommer nichts Ungewöhnliches darstellen.

Populär wurden vor allem zwei Gift-Versionen: nach der einen wollten Alexander und sein Sohn Cesare beim Gastmahl jemand anderen vergiften, das Gift sei aber von einem seiner Diener – vielleicht absichtlich – verwechselt und den beiden Borgia serviert worden. Dagegen spricht zum einen, dass das Essen nicht im Vatikan stattfand, sondern beim Kardinal Adriano Castellesi da Corneto, der zu den engsten Vertrauten des Pap-
stes gehörte und vom Chronisten der Kurie, wie es Massimo Firpo zitiert, als "omnium rerum vicarium" des Papstes beschrieben wurde. Es wäre also ungewöhnlich gewesen, hätten sich die Borgia bei ihrem engsten Vertrauten den eigenen Mundschenk mitge-
bracht (Alexander war darüber hinaus kein besonderer Freund eines zu großen Auf-
wands an der Tafel).

Weiter schreckten die Borgia nicht davor zurück, auch körperliche Gewalt einzu-
setzen, wenn es möglich war. Diejenigen Kardinäle, die diesem Bankett aus Anlass des Jubiläums der Papstwahl beiwohnten, hätten genauso leicht wie etwa Giovanni Orsini festgenommen und in der Engelsburg eingekerkert werden können. Es entsprach auch nicht Cesares Charakter, Gift einzusetzen – das berühmte unfehlbare Borgia-Gift, für das es bezeichnenderweise Dutzende einander widersprechende Angaben bezüglich seiner Zusammensetzung gibt, muss also eher ins Reich der Gerüchte verwiesen werden.

In diesem Zusammenhang sei noch einmal auf die Vergiftung Kardinal Michiels erinnert; den überlieferten Berichten zufolge (u.a. bei dem Deutschen Leonhard Cantzler, der dem 1504 von Julius II. veranlassten Prozess in dieser Sache beiwohnte) litt der Kardinal nach seiner Vergiftung (das Gift war von seinem Majordomus in zwei Dosen herbeigebracht worden) an ständigem Erbrechen, einem Symptom einer Arsen-
vergiftung. Alexander erbrach jedoch nur wenige Male, erst dann setzte das Fieber ein, aber er erholte sich rasch wieder bis zum nächsten Fieberschub eine Woche später. Die zweite populäre Version der Vergiftung des Borgia sieht den oben erwähnten Kardinal Castellesi als Täter, der mit der Ermordung Alexanders seiner eigenen Beseitigung zuvorkommen wollte. Tatsächlich war Castellesi für damalige Verhältnisse geradezu unermesslich reich. Auch er hatte, wie so viele andere Kardinäle jener Zeit, den Pur-
purhut gegen die Zahlung einer enormen Summe erhalten. Quellen wie Burckard oder Giovio sprechen von 20.000 Dukaten – ein Handwerker verdiente damals einige Dutzend Dukaten im Jahr. Unter Julius II. stiegen die Preise eines Kardinalhuts auf 50.000 Dukaten, etwa bei Petrucci 1511.

Alexander ist also wahrscheinlich an Malaria gestorben, aber in den Augen der Rechtschaffenen – und natürlich seiner zahlreichen Gegner, die er sich durch seinen rücksichtslosen Nepotismus herangezogen hatte – durfte er nicht einfach eines na-
türlichen Todes gestorben sein. Da seine Widersacher nicht davor zurückschreckten, ihn als den Antichrist auf dem Papstthron, ja gar als mit dem Teufel im Bunde zu diffamieren, musste auch sein Tod als abschreckendes Beispiel zur moralischen Erbauung dienen.

Sein Lebenswandel führte wohl auch dazu, dass ihm ein ehrenvolles Grab zunächst verwehrt blieb. Im Jahre 1610 wurden seine Gebeine in die Kirche Santa Maria di Monserrato überführt; ein dort geplantes Grabmal wurde jedoch nicht ausgeführt. Erst im Jahre 1864 wurden seine Überreste zusammen mit denen seines Vorgängers Calixtus III. von dem preußischen Diplomaten Kurd von Schlözer in einer Kiste auf einem Regal wiederentdeckt, das auch die Überreste anderer Verstorbener enthielt. 1889 wurde schließlich ein Grabmal für ihn errichtet. Alexander war der letzte Spanier, der zum Papst gewählt wurde.

Leo X. wurde als Achtzehnjähriger Kardinal. Als Papst war er stets in Geldnot. Seine Liebe zur Kunst und sein luxuriöser Lebensstil verschlangen Unsummen. Deshalb forcierte er den Ablasshandel, bei dem man sich von seinen Sünden freikaufen kann. Die Proteste gegen diese Praxis mündeten letztlich in die Reformation und die Spaltung der Kirche.

Am 21. Februar 1513 starb Papst Julius II. Am 11. März 1513 erfolgte die Wahl von Giovanni de’ Medici zu dessen Nachfolger. Der erst 37jährige gab sich den Namen Leo X. Da er, obwohl Kardinal, kein Geistlicher war, wurde er nun nach seiner Papstwahl am 15. März zum Priester und am 17. März zum Bischof geweiht. Erst dann konnte die Krönung am 19. März folgen.

"Da Gott Uns das Pontifikat verliehen hat, so lasst es Uns denn genießen."
Es ist nicht verwunderlich, dass Rom in seinem Pontifikat ein Zentrum für Kunst und Kultur wurde. Doch Leo war auch gröberen Vergnügungen nicht abgeneigt. Er hatte seinen Hofnarren stets dabei und ließ ihn prügeln, sobald er nicht witzig genug auftrat. Angeln und Jagen gehörten ebenso zu seinen Leidenschaften wie prunkvolle Feste und Karnevalsumzüge. So heißt es, in seiner Menagerie sei der indische Elefant Hanno als ein Geschenk des portugiesischen Königs Manuel I. sein Lieblingstier gewesen; einem von Manuel dem Elefanten nachgeliefertes Nashorn, das Rom aber leider nur ausge-
stopft erreichte, war immerhin vergönnt, von Raffael im Papstpalast verewigt zu werden. Religiösen Dingen schenkte er dagegen, wie viele der "Renaissancepäpste" vor ihm, wenig Aufmerksamkeit, er galt auch nicht als besonders gläubiger Christ, so wird ihm der Satz: "Alle Welt weiß doch, wie viel uns diese Fabel von Christus eingebracht hat" zugeschrieben.

Als Papst griff er stark in die europäische Politik ein. Nach dem Tod des deutschen Kaisers Maximilian I. unterstützte er den französischen König Franz I., mit dem er das Konkordat von Bologna schloss, bei der Kandidatur um die Kaiserwürde. Jedoch unter-
stützte er später auch den Wahlsieger Karl V. und schloss mit ihm 1521 ein Bündnis gegen Frankreich.

In die Zeit Leos X. fällt der Beginn der Reformation. Ihre Bedeutung hat Leo aber offen-
sichtlich verkannt. Für den Neubau des Petersdoms förderte er den Ablasshandel, was für Martin Luther einer der Anstöße war, seine 95 Thesen am 31. Oktober 1517 an der Schlosskirche zu Wittenberg dem Kirchenvolk mitzuteilen. Für den Papst war das An-
liegen Luthers keinen Gedanken wert; im Gegenteil: er verurteilte in der Bulle Ex-
surge Domine vom 15. Juni 1520 insgesamt 41 Schriften Luthers und exkommuni-
zierte ihn am 3. Januar 1521 mit der Bulle Decet Romanum Pontificem; an den inner-
kirchlichen Missständen und am Ablasshandel änderte Leo X. jedoch nichts.

Leo X. mit Kaiser Karl V. auf dem Wormser Reichstag.
Kaiser Karl V. verhört Luther, dieser verweigert den Widerruf seiner Lehre unter Berufung auf das Evangelium und sein Gewissen. Darauf schließt sich Karl V. der Verurteilung durch den Papst an und erlässt am 25.5.1521 das Wormser Edikt, d.h.
der Kaiser verhängt die Reichsacht gegen Luther und verbietet die Verbreitung seiner Lehre. Das Edikt lässt sich aber gegen den Willen der reformationsfreundlichen Reichsfürsten und -städte nicht exekutieren, die ihrerseits vergeblich ein National-
konzil fordern. Luther flieht unter dem Schutz des sächsischen Kurfürsten auf die Wartburg.

Leos Reaktion auf Luther war aus Sicht der Zeit das absolut übliche Vorgehen: Bulle und Bann hatten schon öfter ihre Wirkung getan, der letzte tiefgreifende Reform-
versuch eines Mönchs war – kaum 20 Jahre vor Luther – schließlich auch erfolgreich auf diese Weise gemeistert worden.

Krieg zwischen den kaiserlichen und päpstlichen Truppen und der französischen Armee.
Als in Oberitalien Krieg zwischen den kaiserlichen und päpstlichen Truppen und der französischen Armee herrschte, starb Leo X. an einer Wintergrippe mit schweren Fieberschüben in der Nacht des 1. Dezembers 1521 so plötzlich, dass er nicht einmal die Sterbesakramente empfangen konnte. Da sein Leichnam schnell von Schwellungen und schwarzen Verfärbungen entstellt war, argwöhnten zeitgenössische Anhänger des Medici-Papstes, der ohnehin schon kränkliche und zu beleibte Pontifex könne eines unnatürlichen Todes gestorben sein. Der Verdacht fiel auf den Mundschenk Malaspina, der ihn im Auftrag französischer Sympathisanten vergiftet haben könnte. Doch sowohl das Verhör des Verdächtigten als auch die Obduktion brachten keine eindeutigen Hinweise auf einen Giftmord. Kardinal Giulio de’ Medici, der Vetter Leos, setzte sich für die Freilassung Malaspinas ein, um sich Franz I. nicht zum unversöhnlichen Feinde zu machen, falls dieser selbst in die Sache verwickelt sein sollte. Aufgrund der hohen Schulden, die Leo X. hinterließ, konnten angeblich nicht einmal die Kerzen für seine Bestattung bezahlt werden. Seine Gebeine ruhen in der Kirche Santa Maria sopra Minerva.
Leos' letzte Ruhestätte: Die Basilika Santa Maria sopra Minerva an der Piazza della Minerva im Viertel Pigna.
Paul IV. gilt als religiöser Eiferer. Er verschärfte die Inquisition und ließ die Prote-
stanten grausam verfolgen. Er erließ einen Index verbotener Bücher und führte den Ghettozwang für die Juden ein. Das machte ihn beim Volk so unbeliebt, dass sein Begräbnis heimlich in der Nacht und unter Militärschutz stattfinden musste.

Sein Onkel und Mentor Oliviero Carafa verhalf ihm 1505 durch Verzicht zum Bischofsstuhl von Chieti. 1518 wurde Gian Pietro Carafa Erzbischof von Brindisi. Zwischen 1520 und 1525 hielt er sich in Rom auf, von wo er 1525 im Zusammenhang mit dem Sacco di Roma nach Venedig fliehen musste. Im Jahre 1524 gründete er zusammen mit Kajetan von Thiene den Orden der Theatiner. Papst Paul III. erhob ihn
im Jahre 1536 zum Kardinal (daher der Papstname) und gab ihm die Titelkirche San Clemente und zum Mitglied der neu gegründeten Kommission für eine allgemeine Kirchenreform. Ab 1542 leitete er die neuorganisierte römische Inquisition, wurde 1549 zum Erzbischof von Neapel und 1553 zum Dekan des Kardinalskollegiums ernannt.

Im Jahre 1555 wurde er im Alter von 79 Jahren zum Papst gewählt. Bis dahin hatte er immer wieder von Reformen gesprochen. Nach der Wahl jedoch betrieb er Nepotismus, indem er einen seiner Neffen Carlo Carafa, einen Condottiere, zum Kardinalstaats-
sekretär und den anderen Neffen Giovanni Carafa, einen ebenso brutalen Abenteurer, zunächst zum Generalkapitän der Kirche und dann zum Herzog von Paliano machte.

Paul IV. ließ die Protestanten grausam verfolgen und hinrichten.
Gedemütigt und gefoltert. Solche Bilder findet man im Vatikan natürlich nicht.
Nachdem Carafa bereits als Leiter der Inquisition unnachgiebige Härte gegen die italienischen Protestanten gezeigt hatte, legte er als Papst gegen den Augsburger Religionsfrieden vom 25. September 1555 Protest ein. Dieser räumte jedem Landesherren ein, die Konfession seiner Untertanen zu bestimmen. Nachdem 1556 Kaiser Karl V. abgedankt hatte und daraufhin sein Bruder Ferdinand I. den Titel eines "Erwählten Römischen Kaisers" angenommen hatte, erklärte Paul IV. dies für ungültig.

Als Gegner der spanisch-habsburgischen Macht verlor Paul im Bündnis mit Frank-
reich den Krieg gegen Spanien und musste am 12. September 1557 nach der Besetzung des Kirchenstaates durch den Herzog von Alba die Bedingungen des Friedens von Cave-Palestrina akzeptieren. In der Frage der englischen Thronfolge versuchte er seinen Einfluss gegen die protestantische Elisabeth I. geltend zu machen.

Zur Stärkung der katholischen Kirche erweiterte Paul die Befugnisse der "Heiligen Inquisition". Von ihm ist der Satz überliefert: "Selbst wenn mein eigener Vater Häretiker wäre, würde ich das Holz zusammentragen, um ihn verbrennen zu lassen."

In seiner Bulle Cum nimis absurdum vom 14. Juli 1555 führte er für Juden die Pflicht ein, in Ghettos zu leben. Wenige Tage danach wurden in Ancona 24 aus Portugal geflohene Marranen, also zwangsbekehrte Juden, verbrannt. Es war der einzige Akt dieser Art in der italienischen Geschichte.

Nach seinem Tode feierten die Bürger Roms Freudenfeste, befreiten die Gefangenen der römischen Inquisition und steckten den Palast der Inquisition in Brand. Angehörige der kommunalen Verwaltung Roms, der unter der Herrschaft Pauls IV. starke Einschränk-
ungen auferlegt waren, förderten und instrumentalisierten den Volkszorn in ihrem Sinne.

Zehn Tage nach seinem Tod ließ der Herzog von Paliano mit Billigung seines Bruders, des Kardinalstaatssekretärs, die schwangere Ehefrau des Herzogs ermorden. Unter dem neuen Papst Pius IV. wurde ihnen der Prozess gemacht. Der Kardinalstaatssekretär wurde in der Engelsburg erwürgt und der Herzog enthauptet. Auch ihre Komplizen starben mit ihnen.

Die Engelsburg bei Nacht.
Papst Pius IX. betrachtete sich selbst als Gefangener im Vatikan.
Pius IX. war ein sehr konservativer Papst. Er erließ mehrere Dogmen, die bis heute gültig sind. U.a. bestätigte er die Gültigkeit der unbefleckten Empfängnis und das Gesetz von der Unfehlbarkeit des Papstes. Pius IX. verurteilte die Demokratie und verbot allen italienischen Katholiken die Teilnahme an politischen Wahlen.

In sein Pontifikat - mit 31 Jahren und 8 Monaten das längste in der römisch-katho-
lischen Kirche nachweisbare - fallen die Verkündung des Dogmas von der unbefleckten Empfängnis und das Erste Vatikanische Konzil mit der Propagierung des päpstlichen Jurisdiktionsprimats und der päpstlichen Unfehlbarkeit. Im Jahr 2000 wurde Pius IX. von Johannes Paul II. seliggesprochen.

Am 16. Juni 1846 wurde Kardinal Mastai-Ferretti nach nur zweitägigem Konklave als Nachfolger Gregors XVI. im 4. Wahlgang zum Papst gewählt. Überrascht über diese unerwartete Entscheidung nahm er die Wahl an, gab sich den Papstnamen Pius IX. und wurde am 21. Juni 1846 mit der Tiara gekrönt. Er war der letzte Papa Rè (Papst-König), der zugleich mit dem Petrusamt eine weltliche Herrschaft über den traditionellen Kirchenstaat ausübte.

Er begann seine Herrschaft mit einigen liberalen Reformen, wandte sich aber gegen den Republikanismus und die italienische Einigungsbewegung des 19. Jahrhunderts. Wäh-
rend der europaweiten und auch im Kirchenstaat ausgelösten revolutionären Erhe-
bungen von 1848 floh er, nachdem sein Ministerpräsident Pellegrino Rossi ermordet worden war, am 24. November mit den Kardinälen nach Gaeta an der Küste Neapel-Siziliens. Nach der Wahl zur verfassunggebenden Versammlung wurde am 9. Februar 1849 die kurzlebige Römische Republik ausgerufen, die durch ein Triumvirat unter Mitwirkung des radikaldemokratischen Revolutionärs Giuseppe Mazzini geleitet wurde. Bereits am 3. Juli 1849 wurde die Republik von französischen und spanischen Interventionstruppen militärisch niedergeschlagen. Pius IX. kehrte erst im Frühjahr 1850 nach Rom zurück.

Als 1870 nach dem Beginn des Deutsch-Französischen Krieges die französischen Schutztruppen aus Rom abgezogen worden waren, lösten italienische Truppen den Kirchenstaat nach der Einnahme Roms auf. Der Papst zog sich in den Vatikanpalast zurück. Der Vatikan sowie der Lateran und die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo blieben weiterhin unter der (bis 1929 vom italienischen Staat nur faktisch geduldeten) Oberhoheit des Papsttums, das seit 1929 die staatliche Souveränität innehat. Das Garantiegesetz, das Pius IX. 1871 von der italienischen Regierung geboten wurde, lehnte er ebenso ab wie den neuen Nationalstaat Italien, sein Protest gipfelte in der Enzyklika Ubi nos vom 15. Mai 1871 (vgl. auch Römische Frage, Lateranverträge). Er betrachtete sich selbst als Gefangener im Vatikan.